Australien – Land Down Under

Nachdem ich meinen Sitzplatz im Flugzeug eingenommen und das kleine Mädchen neben mir – übrigens das süßeste welches ich bis dato je gesehen habe – mit High five begrüßt habe, schließe ich meine Augen und versuche etwas zu schlafen. Die vergeblichen Versuche sind allerdings jedes Mal nur von ca. 10 Sekunden Dauer, denn spätestens dann werde ich von meiner kleinen Sitznachbarin Amy in die Seite geboxt. Auf ihrem iPod höre ich nun also ihre Lieblingslieder, schaue mir die Urlaubsfotos ihrer Familie an und muss raten wie alt jedes einzelne Familienmitglied der offensichtlich sehr großen Familie ist. Sie kann gar nicht fassen, dass ich mit meinen Schätzungen immer richtig liege und ich verrate ihr, dass ich in meinem Land ein sehr berühmter Zauberer bin, was sie mir auch sofort abnimmt. Zu meinem Glück bemerkt sie nicht, dass mir ihre Mutter hinter ihrem Rücken die ganze Zeit das Alter per Handzeichen durchgibt. Als sie irgendwann einschläft liegt sie an meiner Schulter und somit bewege ich mich die folgenden 4 Stunden keinen Zentimeter, um sie nicht aufzuwecken. Dem entsprechend gut erholt lande ich in Sydney und wir winken uns zum Abschied zu.

Da ich im Ein- und Auschecken inzwischen eine gewisse Routine entwickelt habe, geht diesmal alles ganz fix. Ich freue mich auf den warmen, sonnigen Kontinent, verlasse den Flughafen und stehe im Platzregen. Während ich abwarte das der Regen etwas nachlässt, erzählt mir ein Typ namens “Mate” (Anm. d. Red.: Mate ist die einheimische Bezeichnung für Kumpel oder Fremder und wird in jedem zweiten Satz gebraucht. Das witzige ist, dass die Aussis dabei den Mund nicht richtig aufmachen und aus „How are you Mate?“ oder „Good day Mate!“ wird somit ein genuscheltes  „How r ya Mate?“ und G´day Mate!“. Inzwischen mache ich mir einen Spaß daraus nur noch lustige Laute zu machen und werde anscheinend trotzdem immer verstanden.), dass es in den letzten zwei Wochen durchgeregnet hat. Ich freu mich ja so.

An einem Ticketschalter frage ich nach dem richtigen Bus nach Birchgroove – dem Stadtteil Sydney´s in dem ein Gästezimmer auf mich wartet – und innerhalb von einigen Sekunden diskutieren plötzlich 5 verschiedene Personen miteinander, welches die beste Option für mich ist. Hier fällt mir zum ersten Mal die unglaubliche Gastfreundschaft und Offenheit der hiesigen Eingeborenen auf. Mit sehr vielen verwirrenden Informationen an der Hand nehme ich den Bus und fahre ca. eine Stunde vom Airport nach und durch Sydney bis der Bus plötzlich an einer Endhaltestelle stoppt und der Fahrer mich fragt was ich denn da noch in seinem Schätzchen zu suchen habe. Ich erkläre ihm mein Ziel und er teilt mir mit, dass ich theoretisch schon richtig bin, er aber nun 30 Minuten Pause macht und ich erst einmal genau in die entgegengesetzte Richtung gefahren bin. Er kommt ursprünglich aus Afrika und möchte wissen woher ich komme. From Germany? Aha. Was verdienen denn da die Busfahrer so? Oh Mate! Soviel in der Woche? Ach so, im Monat. Nee, dafür würde er sicher nicht aufstehen. Es kommt eine ältere Dame dazu und schon werde ich mit Tipps für meinen Australienaufenthalt überhäuft und soll mir auf jeden Fall alles davon mal ansehen.

Nach einer weiteren Stunde bin ich in Birchgroove und bei meiner Herbergsmama Sandra angekommen. Und bei Sam, einer unglaublich niedlichen Katze mit einer kleinen Glocke um den Hals, welche seeehr verspielt und nachtaktiv ist, was man am Klingeln im ganzen Haus zur besten Schlafenszeit mitverfolgen kann. Am Nachmittag kommt urplötzlich die Sonne raus und Sandra hat auch gleich den ersten Programmpunkt für mich parat. Wir fahren in die City in die Zeta-Bar, einer sehr stylischen Cocktaillounge, die in den letzten Jahren immer wieder als beste Bar der Welt ausgezeichnet wurde. Wir hauen dort mit zwei ihrer Arbeitskollegen einen großzügigen Gutschein auf den Kopf und genießen recht ungewöhnliche Kreationen mit Pistazien, Bacon und Ananas. Weltklasse. Tatsächlich. Später treffen wir in einer anderen Bar noch auf ein Pärchen das keines ist, lernen die vielen Geschwister des männlichen Parts der beiden kennen die keine sind und haben eine Menge Spaß der echt ist.

In den nächsten Tagen besuchen wir zweimal Coogee-Beach, wo sich regelmäßig die Couchsurfer (Anm. d. Red.: Locals die ihre Couch umsonst zum übernachten im Internet anbieten und Backpacker die das dankend annehmen.) treffen. So lerne ich schnell viele neue Leute kennen und besonders am 24.12. fühle ich mich hier wie auf einem anderen Planeten – ich meine so bei 35 Grad in Badeshorts, einer Weihnachtsmütze auf dem Kopf und mit einem unechten geschmückten Weihnachtsbaum im Sand neben mir. Heiligabend gibt es dann erstmal ein leckeres Barbecue mit Salaten, Bruschetta und Cocktails bei Sandra zu Hause. Danach fahren wir in die Stadt nach Surry Hills zu Milli, ihrer sehr netten schweizerischen Arbeitskollegin und werden dort ganz übel mit leckeren Desserts und Mojitos gequält.

Ich schaue mir in der folgenden Zeit in Ruhe die Stadt an, besuche u.a. Darling Harbour und The Rocks, mache den Coastal Walk von Coogee nach Bondi-Beach und fahre mit Vorliebe und mit der Fähre von Circular Quay aus durch die Gegend. Sehr zu empfehlen ist hierbei die Fahrt nach Manly – einem etwas außerhalb liegenden Stadtteil Sydney´s mit einem sehr schönen Strand. In Manly findet auch jeden Donnerstagabend im „Bavarian“ ein Couchsurfing-Treffen statt und hier knüpft man bei einem Paulaner Weißbier schnell internationale Kontakte. Überhaupt kenne ich hier nach kurzer Zeit schon sehr viele nette Menschen.

Meinen ersten Versuch am Abend eine australische Bar zu betreten, weiß der davor stehende grimmige Türsteher gerade noch so zu verhindern. Ich möchte ihm doch mal bitte meine ID-Card zeigen, meint er. Och danke schön, dass ist aber nett! So jung hat mich schon lange niemand mehr geschätzt, aber ich kann ihm versichern, dass ich wirklich über 18 Jahre alt bin. Meine ID-Card habe ich leider nicht dabei. Och wie schade, wird mir entgegnet. Dann kann er mir versichern, dass ich heute Abend bei der Feier in seiner Bar auch wirklich nicht dabei bin. Hier herrscht nämlich Ausweispflicht. Es hilft weder bitten, betteln, heulen, stampfen oder die Aussicht auf die Telefonnummer meiner angeblichen Schwester die ein sehr begehrtes Unterwäschemodel ist. Ich bleibe draußen. Typischer Anfängerfehler. Zu meinem Glück ist aber auch noch ein französisches Pärchen, welches ich bereits am Coogee-Beach kennen gelernt hatte, ganz neu in der australischen Ausweispflichtszene. Wir versuchen nun gegen 22 Uhr mitten in Sydney irgendwo etwas Wein oder Bier zu finden, ohne eine ID-Card vorzeigen zu müssen. Nach etwa einer Stunde Suche nach einem Restaurant oder einer Bar mit Außenterrasse, das uns nicht gerade die Tür wegen plötzlicher Lokalschließung vor der Nase zuschlägt, geben wir etwas entnervt aber immerhin vom Lachen beschwipst auf. Das muss man sich mal vorstellen. Schließlich befinden wir uns in der Weltmetropole Sydney – einer Stadt die angeblich niemals schläft. Schon gut. Ich weiß natürlich das damit eigentlich New York gemeint ist, aber irgendwie bin ich doch etwas verwundert über diese provinziellen Öffnungszeiten. Nicht zuletzt weil auch die meisten Geschäfte bereits gegen 17:30 Uhr schließen. Na was solls, irgendwas ist ja immer und früher war mehr Lametta.

Mit Sandra, Milli und ihrem Besuch Alex gehe ich an einem Samstag zum Fischmarkt (Anm. d. Red.: Nach dem in Tokio der zweitgrößte der Welt.). Ich habe in meinem Leben ja schon einiges an Fisch gesehen und war sogar als Kind selbst – zugegeben ein recht stilles – Mitglied in einem Angelverein, aber das tut ja hier auch gar nichts zur Sache. Das Bild was sich mir jedenfalls bietet, haut mich wirklich um. Es gibt einfach alles was schwimmen kann oder besser gesagt mal schwimmen konnte und dann auch noch in den verschiedensten Variation, wie z.B. „Lecker!“, „Sehr lecker!“ und „Macht süchtig!“. Wir bestellen gemischte Platten für angeblich jeweils zwei Personen, merken aber schnell, dass damit zwei gaaanz besonders große und gaaanz besonders hungrige Personen gemeint sind. Yummie! Diesen Ort würde ich wohl jede Woche mindestens einmal besuchen, wenn ich in Sydney zu Hause wäre.

Am 31.12. kommen Tanja und Dean bei Sandra vorbei. Wir packen einen Picknickkorb und gehen um 18:00 Uhr zusammen in einen Park in Balmain. Normalerweise suchen sich die Leute in den Parks bereits spätestens gegen 12:00 Uhr Mittags einen guten Platz, um abends das Feuerwerk sehen zu können. Wenn es losgeht kann man sich vor lauter Menschen nämlich nicht mehr bewegen. Wir haben aber offensichtlich einen Geheimtipp entdeckt, denn selbst zu später Stunde ist es hier noch angenehm leer obwohl sich von unserem Platz aus ein sehr imposanter Blick auf die Harbour-Bridge bietet. Wir schauen das Feuerwerk um 21:00 Uhr (Anm. d. Red.: In Sydney gibt es am Silvesterabend zweimal ein Feuerwerk. Einmal um 21:00 Uhr damit auch die kleinen Gäste das Spektakel mitverfolgen können und dann wie gewohnt um 00:00 Uhr. Das erste Feuerwerk ist zwar etwas kürzer, aber ähnlich spektakulär.). Direkt nach dem letzten Knall gehen wir zurück zu Sandra, ziehen uns um und machen uns auf den Weg in die City. Wir sind bei Florian in Surry Hills zu einer New Year´s Eve Party in seinem Penthouse eingeladen. Da ich gerade nichts Besseres vor hatte, habe ich mal spontan zugesagt, als ich dazu befragt wurde. Wir schleppen eine große, schwere Tasche gefüllt mit diversen alkoholischen Getränken quer durch Sydney und kommen irgendwann an Florians Adresse an. Mit großer Freude stellen wir fest, dass der Aufzug an diesem Abend außer Betrieb ist und nehmen wohl oder übel die Treppe zu der im 8. Stock befindlichen Wohnung. Fix und fertig klingeln wir und Florian sieht uns als guter Gastgeber auch gleich an, dass wir eine Erfrischung brauchen. In seinen Augen ist das wie ganz selbstverständlich Wodka-Ahoibrause und wir sind einfach zu geschafft um zu protestieren. Wir mischen uns unter die Gäste und ich stelle fest, dass zu 70% Deutsche anwesend sind und das ein oder andere Mädel ganz bestimmt schon einmal Erfahrung auf einem Laufsteg gesammelt haben muss. Ich unterhalte mich angeregt mit einer lustigen Clique aus Flensburg, als mir eine betrunkene weibliche Gestalt etwas ins Ohr brüllt. Nach ein paar Minuten kapiere ich, dass es sich um Florians Nachbarin handelt und sie lallt mir zu, sie habe nebenan auch eine Party. Sie schlägt  vor mal mit rüber zu kommen und den anderen Gästen hallo zu sagen. Ich entgegne ihr, dass ich gerne später vorbei schaue und sie fordert mich dazu auf, doch am Besten gleich mitzukommen. Im nächsten Moment steigt sie auch schon auf einen Blumenkübel, hält sich an der Hollywoodschaukel auf Florians Terrasse fest und versucht ungeschickt über eine Mauer auf ihren Balkon zu klettern. Respekt denke ich, die wird das Feuerwerk heute ganz sicher nicht mehr erleben, als sie sich mit einem lautem Tarzanschrei auf ihren Balkon fallen lässt. Kurz vor 00:00 Uhr gehen alle Gäste nach oben auf das Dach des Gebäudes und ich bin einfach nur beeindruckt. Wir haben einen Rundumblick auf die Lichter von Sydney und können die Harbour Bridge sehen. Wir öffnen mehrere Flaschen Blubberwasser und stoßen pünktlich um 00:00 Uhr auf eine schönes neues Jahr 2012 an, bevor ich damit beginne das Feuerwerk zu filmen und zu fotografieren. Ich fühle mich sehr glücklich und genieße den Moment in vollen Zügen.

Am nächsten Tag gegen Mittag fahre ich mit Sandra in ihrem offenen Cabrio bei schönstem Sonnenschein in das ca. eine Stunde entfernte Palm Beach. Ich bin selbst überrascht, wie gut es mir nach der letzten Nacht wieder geht, konnte ich doch den Angriff diverser aggressiver Alkoholika, gerade noch so in letzter Sekunde mit dem Mund abwehren. Autofahren würde ich allerdings in diesem Zustand nicht, denke ich so bei mir. Genau in diesem Moment fragt mich Sandra, ob ich denn gleich eins der beiden Boote steuern möchte, die sie gemietet hat. Na aber klar doch – keine Frage! Wir treffen uns mit 11 anderen mehr oder weniger fit aussehenden Personen, besteigen die zwei Boote und geben Vollgas in Richtung Beach auf der anderen Seite der Lagune. Trocken bleibt bei dieser lustigen Fahrt höchstens der Humor, der Rest wird kräftig geduscht. Auf der anderen Seite bilden sich dann zwei Grüppchen – die Mädels sitzen am Strand und trinken Prosecco, während sich die Jungs um den Barbecue-Grill herum versammeln und mit Bier zu prosten. Zum Essen treffen sich alle wieder, um danach eine Runde zu schwimmen und zu relaxen (Anm. d Red.: Relaxen – ein Wort welches ich hier sehr oft gebrauche.). Später, wieder zurück auf dem Festland, zeigt uns Sandra noch ihre zwei „geheimen“ Aussichtspunkte mit atemberaubenden Blick über Palm Beach. Hier lässt es sich leben, bemerke ich. Was? Wie war das? In dieser Gegend beginnen die Häuser ab ca. 4 Millionen Dollar aufwärts? Alles klar, in drei Wochen bin ich mit dem Geld aus Deutschland zurück. Ach so – wir haben ja gerade Eurokrise. Machen wir eben vier daraus.

Da das Bootfahren soviel Spaß gemacht hat, wartet am folgenden Tag ein besonderes Schmankerl auf uns. Wir bekommen für einen guten Kurs die Yacht eines Bekannten samt Skipper und brechen in lustiger Runde auf, um rund um Sydney für einen Tag in das Leben der Schönen und Reichen einzutauchen. Zu meiner Freude ist unter anderem auch Nadja aus Holland mit von der Partie, die ich auf Bali in der Villa Puri Ayu kennen gelernt hatte. Gegen Mittag machen wir am Bootssteg des Fischmarktes fest und schleppen allerlei Köstlichkeiten auf unseren Dampfer. Dann erinnert der Motor unseren Skipper an sein eigenes Wartungsintervall und geht erst mal aus. Da er ihn nicht wieder starten kann, greift er irgendwann zum Handy und ca. 20 Minuten später macht auch schon der ADAC für Motoryachten längsseits fest. Selbst der professionelle, verschmierte Kollege kann es nicht richten und so schleppt er uns zur nächsten Bootstankstelle. Hier wird aufgetankt und festgestellt, dass die Tankanzeige kaputt und der Tank absolut leer ist. So sehen wir dabei zu, wie 750 $ in flüssiger Form mal eben locker fluffig im Boot verschwinden und freuen uns schon auf die Weiterfahrt. Leider hat der Motor bei den Startversuchen soviel Luft gezogen, dass daraus nichts mehr wird. So schleppt uns eben der ADAC noch ein wenig umher. Improvisation ist alles. Am Abend machen wir wieder an unserem Startpunkt fest und blicken auf einen wirklich tollen Tag zurück.

In der ersten Januarwoche verabschiede ich mich für´s Erste von Sydney und begebe mich zur Mietwagenstation, welche einen reservierten Familien-Ferrari (Anm. d. Red.: = Stationwagon = Kombi) für mich bereit hält. Mit von der Partie ist Juliana aus Argentinien, die ich an Weihnachten bei Milli kennen gelernt habe und die mich auf dem Roadtrip begleitet. Zudem werden wir unterwegs auf Sandra treffen, die mit ihrem eigenen Cabrio fahren möchte, welches jedoch nicht genügend Platz für uns alle bietet. Unser Plan sieht vor ca. zwei Wochen die Eastcoast entlang zu fahren und dabei bis nach Fraser Island oder Whitesundays zu kommen. Wie es eben so meine Art ist, stehen wir erst 5 Minuten vor Schließung an unserer Station. Zum Glück ist die Angestellte gut drauf und wir erledigen die Formalitäten. Ob ich auch ein Navigationsgerät dazu buchen möchte? Nein danke, so schwer kann es ja wohl nicht sein, immer nur an der Küste entlang zu fahren. Sie erzählt mir eine Viertelstunde lang alles was wichtig ist und fragt ein wenig nervend immer wieder nach, ob ich denn auch alles verstanden habe. Ich nicke wiederholt und zu Gesprächsende legt sie mir doch tatsächlich einen Fragebogen vor, in dem ich nun alles was sie mir erzählt hat, in schriftlicher Form wieder geben soll. Da ich ehrlich gesagt nicht wirklich aufgepasst habe, bringen wir diesen Teil nur dank ihrer freundlichen Mithilfe in kürzester Zeit hinter uns und gehen zur Autoübergabe vor die Tür. Hier steht er nun – ein quietsch gelber Ford Taunus aus den 70er Jahren, welcher absolut top gepflegt aussieht und somit schon wieder etwas kultiges an sich hat. Damit werde ich aber ganz schön auffallen sage ich lächelnd zu ihr. Damit nicht, wird mir entgegnet. Aber sicher damit. Hierbei zeigt sie auf einen 6 Jahre alten Ford Falcon der in zweiter Reihe steht und dessen Farbe irgendwo zwischen Gold und Silber anzusiedeln ist. Wir gehen um das Auto herum und sie vermerkt auf ihrer Skizze im Mietvertrag, wo das gute Stück bereits überall eine Beule hat. Nach 10 Minuten frage ich sie, ob wir denn nicht besser die Teile ohne Beule markieren wollen. Es gibt nämlich kaum eine Stelle, wo dieses Auto nicht schon einen unfreiwilligen Crashtest überstehen musste. Der Kilometerstand zeigt gerade mal lockere 360.000 km an (Anm. d. Red.: Das ist so gut wie gar nichts für australische Verhältnisse.) und im Innenraum stinkt es nach totem Koala.

Wir verabschieden uns mit dem beruhigenden Gedanken, jederzeit den Pannendienst zur Hilfe rufen zu können und ich mache jetzt meine erste Erfahrung im australischen Linksverkehr. Ich starte sehr konzentriert den Wagen und jedes Mal wenn ich den Blinker betätigen möchte, geht der Scheibenwischer an, was mich wieder total aus dem Konzept bringt und die Konzentration vertreibt. Das erste Ziel ist eine Tankstelle, wo der Superwagon kräftig gewunderbaumt wird. Nachdem der Geruch bekämpft wurde, benötigen wir als nächstes dringend ein Outdoor-Geschäft, in dem wir uns mit einer aufblasbaren Matratze und diversen notwendigen Utensilien eindecken können. Wir erhalten eine falsche Wegbeschreibung vom freundlichen Tankwart-Mate und irren in den nächsten Stunden – bereits der Verzweiflung nahe – planlos in Sydney umher. Warum genau haben wir nochmal auf das Navi verzichtet? Den angepeilten Outdoorladen finden wir zwar irgendwann, aber selbstverständlich hat dieser schon geschlossen. Uns bleibt nun nur noch ein riesiges Einkaufscenter in einem entfernten Stadtteil übrig, welches noch etwas länger geöffnet hat. Wir rennen hinein und greifen uns die benötigten Dinge aus dem Regal. Alles muss ganz schnell gehen, da auch hier inzwischen schon wieder kurz vor Ladenschluss ist.

Erst im Schutze der Dunkelheit verlassen wir Sydney und machen uns auf den Weg zum heutigen Etappenziel – Port Macquarie – welches etwa 150 km entfernt liegt. Auf unserer Fahrt hören wir deutsche und spanische Lieder und versuchen uns darin den Text gegenseitig ins Englische zu übersetzen. Selten so gelacht. Da man auf australischen Straßen maximal 110 km/h fahren darf, kommen wir erst gegen 3 Uhr Nachts an. Wir suchen uns einen Campingplatz, um morgens in den Genuss einer Dusche zu kommen und werden schon nach einer weiteren Stunde fündig. Da die zuständige Rezeptionistin ja schlecht wissen konnte, dass wir sie mitten in der Nacht mit unserem Besuch beehren, liegt sie natürlich längst im Bett. Somit parken wir einfach an der Hauptstraße direkt davor, bauen vor dem Auto die Campingstühle und den Campingtisch auf und stärken uns bei Jim Beam-Cola und Chips. Als wir schlafen gehen, bemerken wir, dass wir in der gebotenen Eile im Einkaufscenter an Stelle von Kissen und Decken leider nur Kissen ohne Decken erwischt haben. Somit sind wir nun stolze Besitzer von nicht weniger als 8 Kissen und decken uns mit dünnen Strandtüchern zu. Am nächsten Morgen dürfen wir als Entschädigung umsonst die Campingplatzduschen benutzen und starten dem örtlichen Strand einen Besuch ab bevor wir weiter fahren. Am Strand treffen wir zwar kaum auf Menschen, aber dafür auf eine Karawane mit 10 Kamelen, die mindestens genauso überrascht drein schauen wie wir.

Voller Tatendrang verlassen wir Port Macquarie um unser nächstes Tagesziel, Coffs Harbour, anzupeilen. Etwa 4 km nach dem Ortsausgangsschild hört sich der Motor auf einmal verdächtig leise an und ich mache schnell die Musik aus. Wie ich feststelle ist der Motor auch bereits aus, fahre links ran und mache eine Fehleranalyse. Kein Qualm und die Temperaturanzeige ist ok – also schon einmal nicht heiß gelaufen. Die Tankanzeige steht bei ca. 1/3 und somit kann es auch nicht am fehlenden Benzin liegen. Oder etwa doch? Da ich auch nach einem fachmännischen Blick unter die Motorhaube nichts Verdächtiges finden kann, tippe ich auf eine kaputte Tankanzeige und trampe zurück in die Stadt. Hier kaufe ich einen Kanister, Benzin und fahre mit dem Taxi zurück zum wohl zuverlässigsten Auto mit dem ich bis dato gefahren bin. Tatsächlich springt die Kiste nach der Tankbefüllung an und es geht weiter.

Wir verlassen jetzt ab und zu den Pacific Highway um näher an der Küste entlang zu fahren. Plötzlich hüpfen einige verdammt große Hasen über die Straße und stelle mit Entzücken fest, das ich gerade zum ersten Mal Kängurus sehe. Da diese ja auch mich zum ersten Mal sehen und wahrscheinlich nicht genau wissen was sie davon halten sollen, machen wir aus etwas respektablen Abstand unsere Fotos und hoffen darauf irgendwann auch noch Koalas vor die Flinte zu bekommen. Auf einem Campingplatz in Coffs Harbour angekommen, bauen wir bereits in der Dunkelheit die Campingutensilien auf und sind gerade mitten in einer angeregten Diskussion als Juliana plötzlich verstummt und in meine weit aufgerissenen Augen und einen offen stehenden Mund blickt. Sie fragt mich was denn los ist, während meine Augen in diesem Moment ihr langes Haar fixieren, welches sich gerade an der Kerze auf dem Tisch entzündet hat und in Flammen steht. Dank meines dezenten Hinweises in Form eines lauten Schreis merkt sie es jetzt auch und wir löschen das Feuer. Ich rechne damit das sie auf Grund der verbrannten 20 cm jetzt in Tränen ausbricht, aber sie entgegnet nur trocken, dass sie eh zum Friseur musste und schneidet sich mit einer Schere weitere 20 cm auf der anderen Seite ab. Respekt.

Am nächsten Tag erreichen wir Byron Bay – einen der unglaublichsten Orte an dem ich je gewesen bin. Man fühlt sich wie mitten in den 70er Jahren, in einer Hippie-Kommune mit durchgeknallten multikulturellen Leuten die einfach das ausleben, worauf sie gerade Lust haben. Es liegt eine sehr positive Energie in der Luft und ich bin spätestens am breiten und langen Sandstrand von diesem Platz verzaubert. Hier bleiben wir ein paar Tage und Sandra aus Sydney stößt zu uns. Wir haben großartige Barbecues, tiefsinnige Gespräche am Strand, trinken guten Wein, spazieren im warmen Regen und lernen weitere interessante Leute kennen. So zum Beispiel Sascha aus Leipzig, der in der Nacht in der Fußgängerzone plötzlich einem Straßenmusiker etwas ins Ohr flüstert, ihm 5 Dollar in die Hand drückt, sich seine Gitarre krallt und mit einer großartigen Version von Oasis´s „Wonderwall“ die vorbei laufenden Leute zum stehen bleiben und tanzen bringt.

Irgendwann müssen wir aber schweren Herzens Byron Bay verlassen um weitere Orte kennen zu lernen. Unsere Auto-Batterie ist jedoch ganz anderer Meinung und verschafft uns noch einen ungeplanten Zusatztag, nachdem wir uns dann auch von Sandra verabschieden. Nach einem Zwischenstopp in Surfers Paradise – welches auf Grund der Hochhäuser in direkter Strandnähe wie Miami anmutet und etwas enttäuscht – kommen wir in Brisbane an. Da wir jedoch nicht direkt in der Stadt bleiben wollen, fahren wir noch ein Stück weiter nach Redcliffe, wo wir neben anderen Backpackern wild am Wasser campen. In Brisbane sollen wir Annie und Terry treffen, die ich auf Bali kennen gelernt hatte und die mich in ihr Haus eingeladen haben. Nach einem kurzen Telefonat mit Annie wird mir klar, dass sie damals wohl „in Nähe Brisbane“ sagte, da sie eigentlich in Southport – einem Stadtteil von Surfers Paradise, von wo wir gerade kommen – wohnt. Somit geht es wieder 80 km zurück und wir haben einen schönen Abend mit den beiden, die uns sehr freundlich aufnehmen, als Entschädigung.

Da Juliana wieder zurück nach Sydney muss, fahre ich sie am nächsten Tag nach Brisbane zum Flughafen. Spät dran wie immer parke ich in der Kurzparkzone und helfe ihr die Koffer zum Check-Inn zu tragen. Auf dem Weg nach draußen hole ich mir noch einen Kaffee und bin somit höchstens ca. 10 Minuten im Flughafengebäude gewesen. Als ich zu meinem Auto zurück komme stehen drei Polizisten davor und fragen, ob das denn meins sei. Ich bestätige die Frage bei einem betont entspannten Schluck aus meinem Kaffeebecher und darf gleich mal meine Papiere vorzeigen. Einer der Polizisten klärt mich freundlich darüber auf, dass man hier höchstens zwei Minuten stehen darf und dann die Autos abgeschleppt werden. So eine Regel gibt’s in Germany doch bestimmt auch, oder etwa nicht? Der letzte Tourist der das missachtet hat, durfte erst heute Morgen über 300 Dollar Strafe zahlen. Oh, oh.. sage ich, während mir die Coolness ein wenig aus dem Gesicht weicht. Und nun? Nun weiß ich ja Bescheid und soll das ja nicht wieder machen. Erneut Glück gehabt. Nichts wie weg und zurück auf den Highway.

Ich fahre nun nach Hervay Bay und komme unterwegs an sehr schönen Stränden vorbei. Am mir unwahrscheinlich sympathisch klingenden „Marcus Beach“ mache ich kurz halt und genieße die tolle Aussicht. Das Tagesziel erreicht, gebe ich meine letzten Dollar einem Campingplatzvorsteher und hoffe darauf, dass meine Kreditkarte am nächsten Tag wieder ihren Job macht und ich auch was zu essen kaufen kann. Ich lese sehr viel und beende das dritte Buch der sehr spannenden Stieg Larsson Trilogie. Im Centrum von Hervay Bay buche ich einen Tagestrip nach Fraser-Island. Gegen Nachmittag besetzen auf einmal tausende Vögel die Baumkronen des Campingplatzes und ich schaue mich suchend nach dem Kamerateam um, das hier vielleicht einen Alfred Hitchcock-Film dreht. Das Wetter schwingt um und in der schlaflosen Nacht höre ich wie der Dauerregen laut auf das Autodach prasselt. Dabei denke ich die ganze Zeit an meinen Trip nach Fraser-Island welcher am nächsten Tag stattfinden soll, verdrehe die Augen und murmle leise wiederholt „200 Dollar..“, „200 Dollar..“ vor mich hin.

Leider hat sich das Wetter auch am folgenden Tag nicht gebessert und ich werde morgens im Regen von einem Shuttlebus abgeholt der mich zur Fähre bringt. Mit im Bus sitzen einige Pärchen aus Australien, Kanada, Österreich und zwei schwule Jungs aus Holland. Die Fähre setzt uns nach Fraser-Island über. Hier werden wir von einem MAN-Geländebus abgeholt und der Fahrer fragt als Erstes nach, ob auch jemand aus Deutschland an Bord ist. Nachdem ich als Einziger die Hand hebe, schwärmt er 20 Minuten von der Zuverlässigkeit der deutschen Motoren, während ich dazu die anderen Passagiere anlächle und nicke. Auf dem Island gibt es keine befestigten Straßen, sondern nur unbefestigte Wege mit tiefem Sand, weshalb es auch nur Geländefahrzeugen gestattet ist, die Insel zu befahren. Unterwegs kommen wir trotzdem an etlichen Jeeps vorbei, die sich im sandigen Untergrund festgesetzt haben. Überall stehen Warnschilder, die auf die vielen Dingos vor Ort hinweisen und auch sonst gibt es angeblich allerlei freundlich aussehende Tiere, die es aber gar nicht sind. Wir biegen an einer Düne direkt zum Strand ab und fahren nun mit 80 km/h direkt am breiten Sandstrand entlang. Hier stehen tatsächlich Verkehrsschilder und es gibt eigentlich dieselben Regeln wie auf einem Highway. Etwas ungewöhnlich ist vielleicht das Kleinflugzeug, welches plötzlich 4 Meter neben uns landet und dessen Pilot uns dazu einlädt, später einen Rundflug mit ihm zu machen. Bei starkem Regen und einer Sicht von 20 cm – ja nee, is klar. Alles in allem ist Fraser-Island interessant, aber bei schönem Wetter sicher noch ein ganz ordentliches Stück besser. Am Abend geht es wieder nach Hervay Bay und ich bleibe dort eine weitere Nacht.

Im strömenden Regen fahre ich am nächsten Tag zurück nach Redcliffe und urplötzlich geht das Auto bei 110 km/h mitten auf dem Highway aus. Ich kann gerade noch nach links lenken, bevor mir der nachfolgende Verkehr die Beule Nummer 258 in das Blech streichelt. Der Motor geht beim ersten Startversuch wieder an und das Auto tut mal wieder so, als wäre nichts gewesen. Ich bin nun endgültig davon überzeugt, dass es ein Eigenleben hat und mir irgend etwas sagen will. In Redcliffe gehe ich in einen McDonald´s um das Free-WiFi zu nutzen und zu arbeiten, was gar nicht so einfach ist mit einem Kindergeburtstag und 20 schreienden kleinen Ronald McDonald um sich herum. Ich starte dem hiesigen Fitnessstudio einen Besuch ab und übernachte wieder am Wasser neben anderen Backpackern, bevor ich das Auto in Brisbane abgeben muss.

Am Morgen des nächsten Tages ist meine Autobatterie schon wieder leer und ich kümmere mich erneut um Starthilfe. In Brisbane angekommen, handele ich mit dem zahnlosen Stationsvorsteher einen Tauschhandel aus. Er bekommt die aufblasbare Luftmatratze inkl. elektrischer Pumpe, 8 Kissen, einen Benzinkanister und eine Flasche Heineken wenn er das Auto dafür selbst sauber macht und mich zum Flughafen fährt. Etwas ärgerlich, aber leider passen all die Sachen nicht in mein Gepäck. Er hätte es wohl auch nur für die Flasche Bier gemacht. Die Sicherheitskontrolle am Flughafen hinter mich gebracht möchte ich schnell zu meinem Abfluggate gehen, als mich ein Sicherheitsbeamter stoppt. Ich sei in einem Zufallsverfahren für einen Test auf explosive Stoffe ausgewählt worden. (Anm. d. Red.: Dieser Test soll Aufschluss darüber geben, ob die untersuchte Person mit explosiven Stoffen in Berührung gekommen ist, um z.B. eine Bombe zu bauen.) Oh prima, entgegne ich, aber ich lehne diesen Gewinn dankend ab. Daraufhin legt er mir einen Hinweiszettel vor, der beinhaltet, dass ich durchaus dazu berechtigt bin die Überprüfung abzulehnen, aber das dann meine Reise an genau dieser Stelle zu Ende ist. Schon gut, dann nehme ich die Wahl die ich eigentlich nicht habe und lasse ihn seinen Job tun. Er fährt mit einem Gerät, das aussieht wie ein kleiner Spiegel an meiner Kleidung und meinem Gepäck entlang. Als es plötzlich piept, zieht er die Augenbraunen hoch und sagt mir das der Test positiv ausgefallen sei, aber das die Geräte auch eine Fehlerquote haben. Er nimmt ein anderes und wiederholt das Prozedere. Als es erneut piept, tippt er seinen Kollegen an und sagt mit ernster Stimme: „Zweimal positiv. Du weißt was das bedeutet!?“. Sein Kollege nickt ihm ebenso ernst zu und ich verstehe das als Zeichen, dass ich jetzt wohl ein klein wenig Ärger am Hals habe. Ich sage das ich leider als Einziger noch nicht weiß was das jetzt zu bedeuten hat und ob er mir das vielleicht mal erklären möchte. Er fragt mich ob meine Schuhe neu seien. Ja, das sind sie entgegne ich und außerdem war vor kurzem Silvester und ich habe eine Wunderkerze in der Hand gehabt. Ich sollte jetzt besser nicht scherzen wird mir gesagt und ich habe nun ein Protokoll auszufüllen. Nachdem ich das brav befolgt habe lässt er mich überraschend gehen. Ich frage mich noch heute, worin der Sinn dieser Untersuchung liegt, wenn einfach jeder Terrorist behaupten kann, das er neue Schuhe hat und noch nie in seinem Leben mit Sprengstoff gespielt hat. Wahrscheinlich leuchtet ab jetzt eine tiefrote Lampe für potentielle Gefahr auf, wenn ich in irgendein Land aus- oder einreisen möchte und ich bekomme eine Sonderbehandlung. Darüber muss ich mich nach meiner Rückkehr unbedingt noch einmal mit den Verkäufern des Outdoorladens unterhalten, in dem sie mir die bombastischen Schuhe angedreht haben.

Wieder zurück in Sydney laufe ich mit meinen handlichen 30 kg zur Oxfordstreet und wundere mich darüber warum mich ständig alle Kerle anschauen. Das hier die Gay-Szene Sydneys wohnt und feiert, war mir da noch nicht bekannt. Ich peile Julianas Haus an, wo ich die nächsten zwei Wochen zur Untermiete in einem Zimmer ihrer Freundin bleibe. Allerdings nicht ganz offiziell, was mich immer wieder in lustige Versteckspiel-Situationen bringt, wenn Chrissi, die Hauseigentümerin vorbei kommt um nach dem Rechten zu schauen. In dem Haus wohnen u.a. eine Menge Franzosen und hauptsächlich Südamerikaner. Ich lerne viele Leute aus Brasilien, Argentinien, Chile und Kolumbien kennen. Vor dem Haus steht eine große Ledercouch, auf der wir meistens chillaxen. In der Nachbarschaft sind einige merkwürdige Gestalten wohnhaft, die offensichtlich besoffen oder stoned, laut fluchend durch die Gegend laufen. Da meine Haare langsam etwas gekürzt werden könnten, gehe ich zu einem Friseur auf der Oxfordstreet. Ich erkläre dem kleinen Asiaten, wie er es schneiden soll und plötzlich habe ich das Gefühl, das er einen Weltrekord im Speedschneiden aufstellen möchte. Edward mit den Scherenhänden, der eigentlich Huy heißt, bewegt die Schere nämlich so schnell, dass man sie nicht mehr mit bloßem Auge erkennen kann. Das etwas militärisch kurze Ergebnis erschreckt mich zuerst etwas, aber ändern kann ich es eh nicht mehr.

Wir haben Januar und den ganzen Monat über findet in der Stadt das Sydney-Festival statt. In verschiedenen Locations wird eine Menge an Kunst und Kultur angeboten. Ich besuche u.a. das Sydney Orchestra Open Air Konzert und eine Oper im Hyde-Park, die Picasso-Ausstellung im New South Wales-Museum, eine Architekturausstellung in der Tin Sheds Gallery, die Boat-Parade mit gigantischem Feuerwerk in Darling Harbour und den Botanical Garden. Ein Highlight ist die Chinese New Year Parade mit anschließendem Feuerwerk. Während ich Bilder von der Parade schieße steht direkt neben mir ein wirklich nerviges, verzogenes kleines Mädchen auf einer Mülltonne und tanzt und stampft das eine wahre Freude ist, in ihrer Nähe zu sein. Als es plötzlich ruhig neben mir wird, schwenkt mein Blick zur Mülltonne, in dem nun ein heulendes und wütendes kleines Ding sitzt, welches beim Stampfen offensichtlich den Deckel zerstört hat und in die Tonne gefallen ist. Die Rettungsaktion der Eltern und der wahrscheinlich darauf folgende obligatorische Eiskauf, erlösen mich von dem Quälgeist. Am 27.01. ist im ganzen Land Australia Day und ich schaue mir mit einigen Bekannten das Halbfinale der gerade stattfindenden Australien Open in einer Sportsbar an. Zeitgleich mit dem Matchball Rafael Nadals, fällt der Typ vor mir wie ein Stein um, und klatscht mit dem Gesicht auf ohne sich abzufangen. Ich eile ihm zu Hilfe und bemerke die 4 Weinflaschen, die er mit seiner ebenso betrunkenen Freundin gemeinsam geleert hat. Zum Glück kommt er schnell zu sich und sieht nach einiger Überredungskunst auch ein, dass es wohl besser ist erst mal kurz nach Hause zu torkeln um sich frisch zu machen. Die übrigen Australier in der Bar hat das Ganze nicht weiter interessiert, immerhin war ja auch gerade Matchball.

Um die bisher vergeblich gesuchten Koalas endlich zu sehen, statte ich noch dem Sydney Zoo einen Besuch ab. Die kleinen Teddys sind auch wirklich putzige Kerlchen und ich wünschte, ich könnte mal eben so in einer dieser Positionen auf einem Baum schlafen. Zu guter Letzt gehe ich noch einmal auf den Sydney Fischmarkt und erfreue mich aufs Neue an den ganzen Köstlichkeiten. Mit einer leichten Schwermut verabschiede ich mich von Sydney und Australien. Ich bin mir dabei ziemlich sicher, nicht das letzte Mal hier gewesen zu sein. Jetzt wartet aber erst einmal Neuseeland auf mich.

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