Hawaii – Aloha und Mahalo

Der Flug nach Hawaii ist auf Grund einer Schlechtwetterfront etwas turbulent. Bei unserer Zwischenlandung auf den Weihnachtsinseln erlebe ich zum ersten Mal wie 20 DEA-Beamte (Anm. d. Red.: Amerikanische Drogenfahndung), mit Spürhunden das Flugzeug stürmen und komplett auseinander nehmen. Meine TicTacs haben sie trotzdem nicht gefunden. Alison ist noch immer ziemlich im Redefluss und stoppt auch nicht als ich vor Müdigkeit meine Augen nicht mehr offen halten kann und einschlafe. Am Flughafen in Honolulu angekommen fragt sie mich wie meine weiteren Pläne aussehen. Ich entgegne ihr, dass ich erst einmal die nächsten 4 Tage in Honolulu bleiben werde und dann weiter nach Maui fliege. Sie rät mir dazu mein Vorhaben zu ändern um nach Kauai, der angeblich schönsten Insel Hawaii´s zu reisen, wo sie ein Haus hat in das sie mich einlädt. Ich danke ihr und sage, dass ich gerne darüber nachdenken werde. Wir verabschieden uns und ich nehme den Shuttlebus zu meinem Hostel, direkt am Waikiki-Beach in Honolulu gelegen.

Im Hostel angekommen lerne ich Arthur aus San Francisco kennen, der kurz vor mir eingetroffen ist. Wir sind uns sofort sympathisch und besichtigen gemeinsam die Umgebung. Unterwegs treffen wir die Kandidatinnen der aktuellen Staffel von „Americas Next Topmodel“ und landen im Fernsehen. Am Abend schauen wir uns eine kostenlose Hula-Show am Waikiki-Beach an. Leider sind alle Tänzerinnen bereits um die 60 Jahre jung. Ihre Töchter haben wohl andere Interessen. Wir kommen mit einem Mädel neben uns ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass sie Judith heißt und in München wohnt. Wir essen und trinken gemeinsam am Strand und verabreden uns für den nächsten Tag um Pearl Harbour mit seiner Gedenkstätte anzuschauen.

Nachdem wir den halben Tag lang in die spannende Geschichte des Angriffs auf Pearl Harbour eingetaucht sind und u.a. das Schiffswrack der U.S. Arizona besichtigt haben, telefoniert Arthur mit seinem Freund Tyson, der uns wenig später abholt. Wie sich herausstellt ist Tyson als Reservist ein Major der U.S. Army und gerade in der Basis Pearl Harbour stationiert. Er schmuggelt uns auf das Gelände und zeigt uns einfach alles. So lernen wir Pearl Harbour auf eine Art und Weise kennen, wie es normalen Touristen nicht möglich ist. Er zeigt uns die Zerstörer im Hafen, Atom U-Boote, Kampfflugzeuge, das Offiziersheim und vieles mehr. Wir sehen Gebäude mit noch deutlich sichtbaren Einschusslöchern des japanischen Angriffs und die Originalschauplätze des Films mit Ben Affleck. Am Abend genießen wir alle zusammen Steak und Bier am Strand und ich blicke auf einige sehr spannende und lehrreiche Stunden zurück.

Am nächsten Tag fahre ich mit Judith im Local-Bus zum Northshore, wo die berühmten Riesenwellen zu finden sind. Die Busfahrt dauert ca. 2,5 Stunden und es ist wirklich interessant die einheimischen Leute unterwegs zu beobachten die aus- und einsteigen. Zum Beispiel malt ein Pärchen ein Bild im Bus, eine Frau strickt eine Tischdecke und ein alter Mann spielt Tetris auf seinem Smartphone. Leider sind die Riesenwellen an diesem Tag gar nicht so riesig, da der Wind aus der falschen Richtung kommt. Dennoch ist es schön den Tag am Strand zu verbringen und den Surfern zuzuschauen, bevor wir wieder mit dem Bus zurück fahren. Am Abend treffen wir wieder auf Artur und gehen mit Sushi bewaffnet zum Strand wo uns drei kleine Koreanerinnen ansprechen. Sie sind um die 23 Jahre jung, sehen aber aus wie 16. Es folgt eine lustige Konversation und die Mädels sind wirklich putzig. Am Ende des Gesprächs steht fest, dass Judith ihnen Schwimmen und Fahrradfahren beibringt. Mit Judith, Arthur und Tyson fahre ich an meinem letzten Abend in Honolulu zu einem großen Luau (Anm. d. Red.: Ein hawaiianisches Fest mit traditionellem Essen und Unterhaltung.). Wir werden mit Cocktails, Tänzen und Show-Vorführungen bespaßt und kommen spät, mit reichlich Bauchschmerzen vor Lachen über eine norwegische Reisegruppe, nach Hause.

Ich habe inzwischen darüber nachgedacht, ob ich lieber nach Maui ins sichere Urlaubsgebiet weiterreise oder mich auf das Abenteuer in Kauai fern ab vom Massentourismus einlasse. Ich entscheide mich für das Abenteuer, cancle mein Hostel auf Maui und buche einen Flug nach Kauai. Mal schauen ob das eine gute Idee ist. Am Flughafen unterhalte ich mich sehr nett mit einem älteren Mann aus Minnesota, der mich darauf einstimmt, dass in den USA schon wieder ein anderer Slang gesprochen wird. Der Flug ist nicht wirklich lang und kurz nachdem das Anschnallzeichen erloschen ist, leuchtet es auch schon wieder auf und wir setzen zur Landung an. Mit dem Public-Bus (for free!) fahre ich ca. 1 Stunde vom Airport in den Norden nach Hanalei, wo Alison mich abholen will. Erfreulicher Weise wartet sie auch schon auf mich und wir kaufen erst einmal ein paar Lebensmittel ein. Dann gehen wir zum Parkplatz und auf das abgefuckteste Auto zu, dass ich jemals zu Gesicht bekommen habe. Das Auto hat riesige Roststellen, die Einschusslöchern gleichen und notdürftig mit Klebeband abgedeckt wurden, die Motorhaube wurde mit einem Gummiseil fixiert, das Licht geht auch ohne Schlüssel im Zündschloss nicht aus, die Scheiben lassen sich nicht zu machen, die Beifahrertür muss von außen geöffnet werden und die Türen sind nicht abschließbar. Dieses Auto hat definitiv noch nie einen TÜV-Beamten gesehen und fährt wohl eher mit einem Schutzengel, als mit Benzin.  Alison erklärt mir, dass sie auf der Insel kein eigenes Auto besitzt und dies die Leihgabe eines Nachbarn ist. Überhaupt erklärt Alison sehr viel und es ist schon etwas anstrengend, da ich mich so ständig auf das Gespräch konzentrieren muss von dem ich nur die Hälfte verstehe, da sie so schnell spricht. Zum Glück denkt sie aber anscheinend das sie es mit einem Kleinkind zu tun hat und wiederholt sich mindestens 10 mal. Sie zeigt mir zuerst Hanalei und dann die schönsten Plätze in Haena (Anm. d. Red.: Der Ort in dem ihr Haus wohnt). Dazu erzählt sie mir allerlei Geistergeschichten. Eine Menge Leute auf der Insel nehmen wohl Drogen, bauen dann zugedröhnt Unfälle und sind sehr aggressiv. Da, an diesem Strand dort sind alleine letztes Jahr 26 Leute ertrunken, da die Brandung so stark ist und sie an die Klippen geschleudert wurden. Dort hat man erst letztens 2 Touristen überfallen und umgebracht. Auch wird man schon mal von Profisurfern verprügelt, wenn man ihnen die Welle wegnimmt. Genauso habe ich mir meinen Aufenthalt im Paradies vorgestellt. Ich denke darüber nach, ob es auf Maui wohl auch so spannend ist und nehme einen großen Schluck aus meinem Bier. Dann fahren wir zu ihrem Haus und sie zeigt mir meinen Raum für die nächsten Tage. Ich fühle mich ganz wohl in dem Haus und frage, wer denn da gegenüber in den Riesenvillen direkt am Strand so wohnt. Die Namen die ich dann zu hören bekomme, kenne ich schon aus Filmen wie z.B. Pretty Woman, Rambo, James Bond und Jurrasic Park. Aha, wenn sich die Hollywood-Stars hier gerne niederlassen, dann kann es für mich ja auch nicht die schlechteste Wahl gewesen sein. Alison erzählt mir allerlei Geschichten aus ihrer Vergangenheit und ich stelle fest, dass ich es mit einem unwahrscheinlich freundlichen, warmherzigen Menschen zu tun habe, der bereits soviel erlebt hat, dass es für mehrere Leben zusammen reichen würde. Trotz vieler Rückschläge steht sie immer wieder auf und blickt positiv nach vorne – sehr bemerkenswert.

In den nächsten Tagen besteigen wir einen nahe gelegenen berühmten Berg und ich verbringe viel Zeit am Strand mit mir alleine, was mir gut tut. Leider ist das Wetter sehr wechselhaft und ich muss meine Strandbesuche des Öfteren abbrechen. Gelegentlich – wenn wir mal ein Auto organisieren können – fahren wir nach Hanalei, wo in einem kleinen Café für mich die einzige Möglichkeit besteht online zu gehen und so mit meinen Freunden in Kontakt zu bleiben. Ich erlebe eine sehr turbulente Zeit mit wirklich heftigen Geschehnissen, die ich hier aber besser nicht schildern werde, da diese Erzählungen eh keiner glauben würde. Irgendwann fängt es jedenfalls zu regnen an und hört einfach nicht wieder auf. Nach 4 Tagen Dauerregen steht das Haus kurz vor der Überflutung und auf der ehemals grünen Wiese hinter dem Haus fahren Leute mit Kajaks und Padelboards vorbei. Die Straßen nach Hanalei sind überschwemmt und alle Brücken sind gesperrt, die Stromleitungen sind zerstört und wir sitzen mit kaum Wasser und Lebensmitteln, ohne Stromversorgung fest. Zu diesem Zeitpunkt erfahre ich auch, dass dies der regenreichste Ort der Welt ist. Das hatte Alison zuvor ganz vergessen zu erwähnen. Allerdings hat man auch solch heftige Regenfälle angeblich dort noch nie gehabt. Ich muss mehrmals meinen Rückflug nach Honolulu und den Weiterflug nach LA verschieben, da an eine Fahrt zum Flughafen nicht zu denken ist. Zum Glück gibt es nach einer gefühlten Ewigkeit ein knappes Zeitfenster von zwei Stunden, wo die Straßen zum Airport wieder freigegeben werden und ich nutze diese Möglichkeit um zurück zu fliegen. Einen emotionalen Abschied (Alison und ich sind uns  in dieser Zeit und nach all den heftigen Erlebnissen schon etwas ans Herz gewachsen) und einen kurzen Flug später, befinde ich mich wieder in Honolulu. Da ich meinen Anschlussflug nach LA für etwa 10 Stunden später organisieren konnte, macht eine Übernachtung in einem Hotel für mich keinen Sinn mehr und ich schlafe auf einer pseudobequemen Sitzbank im Flughafengebäude, was meinen zukünftigen Chiropraktiker sehr freuen dürfte, ein.

Bleibt zu erwähnen, dass ich trotz Übernachtung am Flughafen selbstverständlich mal wieder fast zu spät ins Flugzeug komme. Haben sich doch ungefähr 600 freche Asiaten einfach vor mich in die Schlange gestellt. Wie immer funktioniert es aber auf den letzten Drücker und ich freue mich wie ein Schnitzel auf die letzte Etappe meiner absolut durchplanten Reise – die Westküste der USA..

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